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Restaurierung der Erfurter Bibel Die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin beherbergt einen einzigartigen Schatz: Die weltweit größte bekannte Pergamenthandschrift einer hebräischen Bibel, in Fachkreisen "Erfurt 1" genannt.

Die Bibel wurde im Jahr 1343 vollendet. Die beiden Bände enthalten den hebräischen Text und die aramäische Übersetzung (Targum) der Bibel zusammen mit großer und kleiner Masora sowie Schmuckseiten mit mikrographischen Illustrationen.
Die Pergamenthandschrift ist außergewöhnlich: Mit 580 bzw. 545 Blatt im besonders großen Format von 47 x 63 cm wiegt jeder Band fast 50 Kilogramm. Einer Blindprägung auf dem Einbandleder ist zu entnehmen, dass der heutige Einband aus dem Jahr 1590 stammt.

Seit dem Jahr 1880 ist diese kostbare Pergamenthandschrift im Besitz der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin. Benannt ist sie seit etwa dreihundert Jahren nach ihrem ersten feststellbaren Besitzer, dem Evangelischen Ministerium in Erfurt.

Im Krieg lagerte die Bibel im Keller des damaligen Wirtschaftsministeriums. Das Gebäude wurde im Februar 1945 von Bomben getroffen.
Nur der erste Band überstand den Krieg mit geringen Schäden.

Band 2 von oben Der zweite Band hingegen wurde erst durch Feuer und dann durch Löschwasser erheblich geschädigt: Die Pergamentblätter sind im Kopfbereich stark geschrumpft, fast alle Seiten sind miteinander verklebt und verblockt. Die Bibel ließ sich seither nicht mehr aufschlagen.


Ungeglättetes und geglättetes Blatt Von 1999 bis 2007 stellte sich die Staatsbibliothek der außerordentlichen Aufgabe, diese Pergamenthandschrift zu restaurieren. Das Konzept dafür entstand in enger Zusammenarbeit mit internationalen Fachleuten. Zuerst wurden alle Seiten voneinander getrennt und geglättet, danach Fehlstellen ergänzt. Jetzt liegen die einzelnen Blätter in Lagen zusammengefasst in konservatorisch bestens geeigneten Mappen. Der frühere Einband wird gesondert wieder hergestellt und den Lagen beigegeben, sodass in der Orientabteilung schließlich das gesamte Werk wieder in bestem Zustand aufbewahrt wird.

Dank der Initiative der Freunde der Staatsbibliothek wurde ein Teil der für die Restaurierung benötigten Mittel von privater Seite gespendet. Von diesem Geld konnte ein dreiviertel Jahr lang eine Restauratorin beschäftigt werden. Außerdem wurde ein spezieller Tisch sowie weitere Ausrüstungsgegenstände für diese besondere Aufgabe beschafft und der Restaurierungswerkstatt der Bibliothek geschenkt.