M a x   H e r r m a n n

Wer war Max Herrmann? Geboren am 14. Mai 1865 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern, 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und dort im selben Jahr umgekommen. Er gilt als der Begründer der deutschen Theaterwissenschaften, konnte 1923 trotz großer Widerstände in Berlin ein Theaterwissenschaftliches Institut aufbauen, war Herausgeber von sechs wissenschaftlichen Zeitschriften, Vorsitzender mehrerer Gesellschaften, darunter der für Theaterwissenschaften und der für deutsche Literatur, und wurde 1930 Ordinarius an der Berliner Universität. Er baute in 40 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit die bedeutende "Bibliothek deutscher Privat- und Manuskriptdrucke der Gesellschaft für deutsche Literatur" auf, die seit 1905 in der Staatsbibliothek aufgestellt war, 1938 mit ihren 18.000 Titeln in den Besitz der Bibliothek überging und im Krieg bis auf 200 Bände zerstört wurde.

Max Herrmann1933 nahm Max Herrmann vehement gegen eine von der deutschen Studentenschaft verfaßte Erklärung "Wider den undeutschen Geist" Stellung und äußerte die Hoffnung, daß dieser Spuk schnell vorbeigehen würde. Aber er irrte sich: er mußte die Universität verlassen, durfte für seine wissenschaftlichen Arbeiten zunächst noch die Universitätsbibliothek benutzen, dann nur noch die Staatsbibliothek, durfte schließlich den Lesesaal nicht mehr betreten und dann auch keine Bücher mehr ausleihen. Er konnte sie nur noch - über siebzigjährig und halb erblindet - am Stehpult einsehen. Und auch der Weg von seiner Wohnung zur Bibliothek wurde für ihn immer länger und beschwerlicher, da er keine Verkehrsmittel benutzen und den Tiergarten nicht durchqueren durfte. Und dennoch arbeitete er unermüdlich weiter an seinem letzten großen Werk "Die Entstehung der berufsmäßigen Schauspielkunst im Altertum und in der Neuzeit", das erst 20 Jahre nach seinem Tod erschienen ist.

Heinz Knobloch zeichnet diesen erschütternden Lebenslauf eines großen, mit der Staatsbibliothek zu Berlin eng verbundenen Wissenschaftlers nach, zu finden in Band 1 der Veröffentlichungen der Freunde der Staatsbibliothek "Biete Weisheit, suche Freunde".