Buchpatenschaft
An den deutschen Unteroffizier! [USA] 1944.
Bibliothekssignatur: Einbl. 1939/45, 4724, 556A
Kurz nach der Erfindung des Buchdrucks eroberte ein neues publizistisches Medium den Raum der Argumentation und Nachrichtenverbreitung: das Flugblatt. Ob eilig gestaltet oder mit Sorgfalt gedruckt, ob von unbekannten Schreibern verfasst oder von bekannten Autoren wie Martin Luther und Hans Sachs zur Glaubenspropaganda und Konfessionspolemik genutzt: Das Flugblatt begann seinen Siegeszug und ist trotz Social Media bis heute ein publizistisches Medium.
Gerade in Kriegszeiten kommt das Flugblatt zur Anwendung, zum Einsatz. Vereinfacht gesagt: Alle haben Flugblätter produziert und auf die gegnerische Seite transportiert. Es ist ein transnationales Kommunikationsmittel par excellence. Die Propagandaflugblätter der großen Kriege des frühen zwanzigsten Jahrhunderts sollten als Feindpropaganda den Gegner demoralisieren und seine Kampfbereitschaft zersetzen oder als Eigenpropaganda die Siegeszuversicht, Opferbereitschaft und Tapferkeit und den Durchhaltewillen der eigenen Bevölkerung stärken.
Die Staatsbibliothek besitzt zwei große Sammlungen von Kriegsflugblätter mit mehr als 25.000 Exemplaren. Die Feindpropaganda macht den Kern der Sammlung aus. Flugblätter der Amerikaner, Engländer, Sowjets und der Deutschen wurden millionenfach über den Schützengräben aus Ballons oder Granaten an allen wichtigen Fronten abgeworfen. Die Flugblätter versuchen als strategische Propaganda langfristig die Wehrkraft zu zersetzen oder reagieren als taktische Propaganda auf aktuelle Ereignisse an der Front.
Um die richtige “Ansprache” in den Flugblättern zu treffen, musste man die kulturellen, sprachliche Gewohnheiten der gegnerischen Seite kennen, seine Wünsche und Vorstellungen erahnen. Es brauchte also Sachkenntnisse, die man sich nicht zuletzt über Kriegsgefangene oder auf Seiten der Alliierten dann über Exilanten zu verschaffen suchte.
Noch längst sind nicht alle Flugblätter im StabiKat recherchierbar und so arbeitet seit mehr als zwei Jahren ein Ehrenamtsprojekt an der Erfassung. Neben den zahlreichen Angaben zu Herausgeber, Veröffentlichungszeitraum, Inhalt und erwähnte Namen wird als Nebeneffekt auch notiert, welche Flugblätter restauriert warden sollten, damit sie weiterhin für die Benutzung zur Verfügung gestellt werden können.
Die hier angebotene Patenschaft ist ein amerikanisches Flugblatt für deutsche Soldaten: Ein Appell an die deutschen Unteroffiziere, sich ihrer Verantwortung für das Leben der Soldaten bewusst zu sein und Beispiele für den Mut deutscher Offiziere, sich und ihre Soldaten in Kriegsgefangenschaft zu bringen, um so den Krieg sicher zu überleben.
nötige Reparaturen: Trockenreinigung, Entfernen von Klebstreifen, Montage in Pergaminhülle;
kalkulierte Kosten: 120 €
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Verwendete Quelle: Dr. Christiane Caemmerer: Europäische Geschichte auf einem Blatt. Die Sammlung Kriegsflugblätter des 20. Jahrhunderts. In: Bibliotheksmagazin Heft 2 / 2006