Projekte

Vom Zerfall bedroht -
die Displaced Persons-Sammlung
in der Staatsbibliothek zu Berlin

Für den Erhalt der ersten jüdischen Publikationen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Schön sehen diese Bücher und Zeitungen wahrlich nicht aus: Rostige Klammern halten die Seiten zusammen, mit Klebestreifen geflickte Risse in den Seiten, fleckige Blätter – und trotzdem bilden diese Werke eine besondere und kostbare Sammlung: Es sind dies die ersten gedruckten jüdischen Publikationen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland.

Die Überlebenden der Shoah kamen als sogenannte Displaced Persons (DPs) in Lagern vornehmlich im amerikanischen Sektor unter. Hier entstanden diese Bücher für den unmittelbaren Bedarf: religiöse und literarische Werke, erste Berichte über den Holocaust, Zeitungen und Lehrbücher, Listen von Überlebenden auf der Suche nach Familienangehörigen.

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Shraga Lipshits-Halbershṭam: Sefer Ḳuntres "Divre Yeḥezḳel" be-ʿinyan Erets Yisraʾel oʾ sheʾar aratsot Yeḥezḳel. Bamberg 1948. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA
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Undzer vẹg : vọkhnshrift ̣; organ fun Sheʾeris ha-Pletạh. Wochenzeitung in Jiddisch und Englisch, München 1945 - 1949. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA
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Masekhet Moẹd ḳaṭan min Talmud Bavli. Minkhn: Ṿaʿad ha-Hatsalah 1947. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Beitrag aus der RBB-Abendschau vom 27. Januar 2021 zur Displaced Persons-Literatur

Um diese einzigartige Sammlung für die Zukunft zu sichern und sie Forscherinnen und Wissenschaftlern weiterhin zur Verfügung stellen zu können, werden insgesamt 80.000 € benötigt. Ein detaillierter Kostenvoranschlag von einer ausgewiesenen Restaurierungswerkstatt liegt zu jedem Werk vor. Geplant ist, die Restaurierung schrittweise gemäß einer Rangliste, die den Erhaltungszustand, die wissenschaftliche Relevanz und die noch verfügbare Anzahl der Publikationen berücksichtigt, zu beauftragen.

2009 erwarb die Staatsbibliothek zu Berlin die ersten 200 Bände jüdischer Publikationen aus den Displaced Persons-Lagern. Seither wird der Bestand sukzessive erweitert und so verfügt die Staatsbibliothek heute mit rund 430 Werken über eine der bedeutendsten Sammlungen jüdischer Literatur, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erschienen ist.

Jede Spende hilft – hier unsere Bankverbindung:
Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.
IBAN: DE 69 1007 0024 0439 3922 04
Verwendungszweck: DP-Literatur + Name + Adresse für die Spendenbescheinigung

She’erit Hapleta – der Rest der Geretteten – so nannten sich die Überlebenden der Shoa selbst. Es ist heute an uns, ihre ersten Werke zu erhalten.

Ausführlichere Informationen finden Sie hier in unserer Broschüre als download oder Sie bestellen sie bei freunde@sbb.spk-berlin.de

In unserem Blog und in dem Blog der Staatsbibliothek werden wir in unregelmäßigen Abständen einzelne Werke genauer vorstellen und über den Fortgang der Restaurierung berichten.

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Ausschnitt aus dem Titelbild von Malkah Kelerikh: Tsurik tsum leben. Minkhn: Voice of the Zionism ; 1948. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA
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Ausschnitt aus Titelblatt von: Yidisher Heftlings-Kongres in Bergn-Belzn, 1945. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA
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Seder Hagadah shel pesaḥ ; סדר הגדה של פסח. - New York : Ziegelheim; Niu-Yorḳ : Tsigelhaym 1945. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA