Max Herrmann
Preis
Von 1979 bis 1991 vergab die Deutsche Staatsbibliothek einen nach Max Herrmann benannten Preis an besonders engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses. Wenn möglich wurde der Preis stets am 10. Mai jeden Jahres übergeben, jenem Tag, an dem 1933 in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek, auf dem heutigen Bebelplatz, Bücher verbrannt wurden.
Im Jahr 2000 wurde auf Vorschlag des Berliner Schriftstellers Heinz Knobloch von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin ein neuer Max-Herrmann-Preis geschaffen, der seither, ebenfalls meist am 10. Mai, an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht haben. Alternativ kann eine Persönlichkeit geehrt werden, die als Schriftsteller*in, Wissenschaftler*in, Verleger*in oder Bibliotheksmitarbeiter*in politische Verfolgung erfährt oder eine Persönlichkeit, die sich für die den Verfolgten des NS-Regimes gewidmete Gedenk- und Erinnerungskultur engagiert.
Max-Herrmann-Preis 2026 an Elvira Tasbach
Vor bald vierzig Jahren entschied sich Elvira Tasbach, ihre Liebe zu alten Büchern und die Neigung zum Sammeln zum Beruf zu machen. In ihrem Antiquariat richtet sie ihr Augenmerk auf Handschriften, die Wissenserwerb und Wissensvermittlung in den Mittelpunkt stellen wie z.B. Vorle-sungsmitschriften, Reiseberichte oder Rezeptbücher. Mit ihrem Blick für die Besonderheiten dieser Werke, die über die Inhalte hinaus die Weltsicht des Autors spiegeln, sozioökonomische Verhältnisse und die Art und Weise von sprachlicher Wissensvermittlung vermitteln, ist sie eine kenntnisreiche, eine wahrhaftige Partnerin für Sammler und Bibliotheken geworden – sind doch beide, Antiquariate und Bibliotheken, vereint im Streben nach Bewahrung, Erforschung und Kenntniserweiterung des schriftlichen Kulturguts.
Für den antiquarischen Berufsstand engagiert sie sich im Vorstand des Verbands deutscher Antiquare mit Ideen, Weitsicht und der ihr eigenen fröhlichen Beharrlichkeit.
„Elvira Tasbach ist nicht nur eine kenntnisreiche Antiquarin mit einem höchst interessanten Schwerpunkt und eine für den Berufsstand engagierte Persönlichkeit. Ihr liegt das gesellschaftliche Miteinander ebenso am Herzen. Zahlreiche soziale, künstlerische und historische Vereine können auf ihre Unterstützung zählen. Auch die Staatsbibliothek zu Berlin verdankt der mäzenatischen Gesinnung Elvira Tasbachs ein großzügiges Geschenk: Den ‚Catalog der Bücher im Besitz seiner Exzellenz Herrn Freiherrn Alexander’s von Humboldt‘ mit mehr als 1.000 handschriftlichen Notizen Humboldts“, so die Begründung der Jury unter dem Vorsitz von Peter Altmaier, Vorsitzender der “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”
Die Laudatio anlässlich der festlichen Preisverleihung hielt der Verleger des Wallstein Verlags und Vorsitzender der Historischen Kommission des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Thedel von Wallmoden. Hier zum Nachlesen.
Die Dankesworte der Preisträgerin, Elvira Tasbach, stehen hier.
Max Herrmann
Porträt Max Herrmann
Wer war Max Herrmann? Geboren am 14. Mai 1865 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern, 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und dort im selben Jahr umgekommen. Er gilt als der Begründer der deutschen Theaterwissenschaften, konnte 1923 trotz großer Widerstände in Berlin ein Theaterwissenschaftliches Institut aufbauen, war Herausgeber von sechs wissenschaftlichen Zeitschriften, Vorsitzender mehrerer Gesellschaften, darunter der für Theaterwissenschaften und der für deutsche Literatur, und wurde 1930 Ordinarius an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Iniversität. Er baute in 40 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit die bedeutende “Bibliothek deutscher Privat- und Manuskriptdrucke der Gesellschaft für deutsche Literatur” auf, die seit 1905 in der Staatsbibliothek aufgestellt war, 1938 mit ihren 18.000 Titeln in den Besitz der Bibliothek überging und im Krieg bis auf 200 Bände zerstört wurde.
1933 nahm Max Herrmann vehement gegen eine von der deutschen Studentenschaft verfaßte Erklärung “Wider den undeutschen Geist” Stellung und äußerte die Hoffnung, daß dieser Spuk schnell vorbeigehen würde.
Aber er irrte sich: er verlor seine Professur, durfte zunächst noch für seine wissenschaftlichen Arbeiten die Staatsbibliothek benutzen, durfte schließlich aber den Lesesaal nicht mehr betreten und dann auch keine Bücher mehr ausleihen. Er konnte sie nur noch – über siebzigjährig und halb erblindet – am Stehpult einsehen. Den Weg von seiner Wohnung zur Bibliothek musste er zu Fuß zurücklegen – mit Umwegen, da er keine Verkehrsmittel benutzen und den Tiergarten nicht durchqueren durfte. Trotzdem arbeitete er unermüdlich weiter an seinem letzten großen Werk “Die Entstehung der berufsmäßigen Schauspielkunst im Altertum und in der Neuzeit”, das erst 20 Jahre nach seinem Tod erschienen ist.
Archiv
Der Max-Herrmann-Preis ging an
2025 - Monika Grütters
Monika Grütters hat die Rolle der Kultur für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, für neue Einsichten und neue Perspektiven im Sinne der Verständigung und eine lebendige Erinnerungskultur ideenreich und zielstrebig gefördert.
2024 - PROJECT ALADDIN
Das PROJECT ALADDIN will der Holocaustleugnung, dem Antisemitismus und der Islamfeindlichkeit entgegenwirken und fördert seit 2009 den interkulturellen Dialog, insbesondere den jüdisch-muslimischen.
2023 - Carola Pohlmann
Carola Pohlmann, die langjährige Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, hat die Sammlung dank ihrer profunden Kenntnisse entscheidend vergrößert und die Anerkennung der Kinder- und Jugendliteratur eindrucksvoll befördert.
2022 - Clegg & Guttmann
Die Künstler Michael Clegg und Martin Yair Guttmann gelten als die “Schöpfer” und “Erfinder” der offenen Bibliotheken.
2020 - Götz Aly
Der Journalist und Historiker Götz Aly erhält den Max-Herrmann-Preis für seine detaillierten und anschaulichen Forschungen zu Tätern und Opfern in der Zeit des Nationalsozialismus.
2019 - Freshta Karim und Bara'a Al-Bayati
Im Jahr 2019 erhalten zwei Frauen, die sich in ihrer vom Krieg zerstörten und nach wie vor bedrohten Stadt für Zugang zu Bildung für alle einsetzen: Freshta Karim aus Kabul / Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad / Irak.
2018 - Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken
Die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken umfasst knapp sechzig Mitglieder, die alle Dokumente, Überlieferungen und Erzählungen zur NS-Geschichte und zur Geschichte des Europäischen Judentums im 20. Jahrhundert sammeln, bewahren und zur Verfügung stellen.
2017 - Klaus Wagenbach
Der Verleger Klaus Wagenbach wird für sein Programm geehrt, das die Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits pflegt und literarische, kunst- sowie kulturwissenschaftliche Entdeckungen und Wiederentdeckungen ermöglicht.
2016 - Wim Wenders
Wim Wenders schuf in seinem Film “Der Himmel über Berlin” ein ebenso schönes wie bleibendes filmisches Denkmal von internationalem Rang für die Staatsbibliothek zu Berlin.
2015 - Feierstunde zum 150. Geburtstag von Max Herrmann
Anlässlich des 150. Geburtstages stand der Namensgeber im Mittelpunkt einer Feierstunde.
2014 – B.H. Breslauer Foundation
Der Antiquar Bernd Hartmut Breslauer (Berlin 1918 – New York 2004) ist Gründer der B.H. Breslauer Foundation, die Bibliotheken beim Erwerb besonderer Werke unterstützt.
2013 – Ingeborg Berggreen-Merkel
Die Ministerialdirektorin a. D. beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, wurde geehrt für ihren Einsatz zur Schaffung nachhaltiger Strukturen beim Erhalt des schritlichen Kulturguts.
2012 – Micha Ullman
Der israelische Bildhauer Micha Ullmann erhält den Max-Herrmann-Preis für sein Mahnmal “Bibliothek” auf dem Bebelplatz in Berlin.
2011 – Georg Siebeck
Georg Siebeck leitet in vierter Generation den Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck, der stets wissenschaftliche Publikationen auf höchstem Niveau und mit großer Sorgfalt veröffentlicht.
2010 - Inge Jens
Inge Jens zeigt als Editorin und Schriftstellerin, wie Rechercheergebnisse nutzbar gemacht und in elegante und lesbare Texten eingebunden werden.
2009 - Günter de Bruyn
Der Schriftsteller Günter de Bruyn ist ausgebildeter Bibliothekar und ein profunder Nutzer der Staatsbibliothek zu Berlin für seine Arbeiten zur Geschichte Berlins und Brandenburgs sowie für seine Biographie von Jean Paul.
2008 - Karin von Welck
Karin von Welck unterstützte in ihrer Zeit als Generalsekretärin der Kultustiftung der Länder in besonderer Weise Bibliotheken bei Erwerbungen.
2007 - Bernhard Fabian
Bernhard Fabian, Professor für englische Philologie, erhält den Max-Herrmann-Preis 2007 für sein Konzept für die Sammlung Deutscher Drucke bis 1912.
2005 - Ekaterina Genieva
Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, erhält den Max-Herrmann-Preis für ihr Engamgent im deutsch-russischen Dialog.
2002 - Wolfgang Frühwald
Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Frühwald war von 1992 bis 1997 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
2001 - Paul Raabe
Paul Raabe war langjähriger Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und leitete nach seiner Pensionierung den Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen in Halle.
2000 - Cécilie Lowenthal-Hensel
Cécilie Lowenthal-Hensel ist die Urenkelin der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy und Gründerin der Mendelssohn-Gesellschaft e. V.
Satzung
Max-Herrmann-Preis der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. - Satzung
§ 1
Die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. verleihen mindestens alle zwei Jahre und möglichst am 10. Mai den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich um die Entwicklung und um das Ansehen dieser Bibliothek oder um das Bibliothekswesen besondere Verdienste erworben hat.
Der Name des Preises erinnert an den großen Berliner Literatur- und Theaterwissenschaftler, der 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort am 16. November 1942 verstarb. Der 10. Mai erinnert an die Bücherverbrennung im Jahre 1933 unweit der Preußischen Staatsbibliothek auf dem Opernplatz in Berlin.
Alternativ kann eine Persönlichkeit geehrt werden, die als Schriftsteller*in, Wissenschaftler*in, Verleger*in oder Bibliotheksmitarbeiter*in politische Verfolgung erfährt oder eine Persönlichkeit, die sich für die den Verfolgten des NS-Regimes gewidmete Gedenk- und Erinnerungskultur engagiert.
§ 2
Der Preis besteht aus einer Verleihungsurkunde, welche die Verdienste des oder der Geehrten beschreibt, sowie aus dem Nachdruck eines wertvollen Buches aus den Beständen der
Staatsbibliothek zu Berlin. Der Nachdruck wird in einer Auflage von wenigen, nummerierten Exemplaren hergestellt.
§ 3
Über die Person des Preisträgers entscheidet eine unabhängige Jury. Sie besteht aus fünf Personen: drei Personen werden für drei Jahre von der Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstandes des Vereins gewählt. Der Vorsitzende des Vereins und der Generaldirektor der Staatsbibliothek sind qua Amt Jurymitglieder. Den Juryvorsitz hat der Vorsitzende des Vereins inne. Die Jury entscheidet mit Mehrheit. Mitglieder des Vereins können der Jury schriftlich Vorschläge für die Vergabe des Preises machen.
§ 4
Die Vergabe des Preises soll in einem festlichen Rahmen in der Staatsbibliothek zu Berlin erfolgen. Mitarbeiter der Staatsbibliothek und Mitglieder des Vorstandes der Freunde können den Preis nicht erhalten.
§ 5
Diese Satzung wird von der Mitgliederversammlung beschlossen und kann nur von dieser durch Beschluss geändert werden.