Max Herrmann
Preis

Von 1979 bis 1991 vergab die Deutsche Staatsbibliothek einen nach Max Herrmann benannten Preis an besonders engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses. Wenn möglich wurde der Preis stets am 10. Mai jeden Jahres übergeben, jenem Tag, an dem 1933 in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek, auf dem heutigen Bebelplatz, Bücher verbrannt wurden.

Im Jahr 2000 wurde auf Vorschlag des Berliner Schriftstellers Heinz Knobloch von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin ein neuer Max-Herrmann-Preis geschaffen, der seither, ebenfalls meist am 10. Mai, an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht haben. Alternativ kann eine Persönlichkeit geehrt werden, die als Schriftsteller*in, Wissenschaftler*in, Verleger*in oder Bibliotheksmitarbeiter*in politische Verfolgung erfährt oder eine Persönlichkeit, die sich für die den Verfolgten des NS-Regimes gewidmete Gedenk- und Erinnerungskultur engagiert.

 

+
Bara'a Al-Bayati, Buchhändlerin und Verlegerin aus Bagdad
+
Freshta Karim, Gründerin des Bücherbus in Kabul

Max-Herrmann-Preis 2019

Im Jahr 2019 erhalten zwei Frauen, die sich ihrer vom Krieg zerstörten und nach wie vor bedrohten Stadt für Zugang zu Bildung für alle einsetzen: Freshta Karim aus Kabul / Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad / Irak.
Bara’a Abdulhadi Mudheher Al-Bayati, geboren 1989 in Bagdad, studierte zunächst Ingenieurwissenschaften. Da sie keine Stelle fand, entschloss sie sich 2017 einen eigenen Buchladen in Bagdad zu eröffnen. Sie ist damit die erste Frau in diesem traditionsreichen, stets von Männern dominierten Gewerbe. Der Zugang zu Bildung und Literatur müsse allen Menschen offen stehen, sagt sie. “Eine meiner Botschaften, die ich der Gesellschaft durch meine Arbeit vermitteln möchte, ist, dass die Frau unabhängig ist, mit einer hörbaren Stimme. Und dass sie in jedem Bereich arbeiten und kreativ sein kann.”
Freshta Karim, geboren 1992 in Kabul, kehrte nach ihrem Studium in Oxford zurück nach Afghanistan. Hier gründete sie 2017 die non-profit-Organisation „Charmaghz“ und begann mit dem Aufbau einer mobilen Bibliothek, um Kindern in Kabul und Umgebung die Möglichkeit zu eröffnen, Bücher zu entdecken, die Neugierde der Kinder zu wecken und ihnen auf ihre Fragen zu antworten. „Unsere Vision für Afghanistan ist ein Bildungssystem sowie eine Gesellschaft, die kritisches Denken erlaubt, ja, fördert. Wir glauben fest daran, dass kritisches Denken entscheiden ist, um Kinder stark zu machen und unser Land aufzubauen.“, begründet Freshta Karim ihr Engagement.
Über die Preisverleihung am 24. September 2019 erschien ein Artikel im BibliotheksMagazin 1/2020.
Max Herrmann

Porträt Max Herrmann

Wer war Max Herrmann? Geboren am 14. Mai 1865 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern, 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und dort im selben Jahr umgekommen. Er gilt als der Begründer der deutschen Theaterwissenschaften, konnte 1923 trotz großer Widerstände in Berlin ein Theaterwissenschaftliches Institut aufbauen, war Herausgeber von sechs wissenschaftlichen Zeitschriften, Vorsitzender mehrerer Gesellschaften, darunter der für Theaterwissenschaften und der für deutsche Literatur, und wurde 1930 Ordinarius an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Iniversität. Er baute in 40 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit die bedeutende “Bibliothek deutscher Privat- und Manuskriptdrucke der Gesellschaft für deutsche Literatur” auf, die seit 1905 in der Staatsbibliothek aufgestellt war, 1938 mit ihren 18.000 Titeln in den Besitz der Bibliothek überging und im Krieg bis auf 200 Bände zerstört wurde.

1933 nahm Max Herrmann vehement gegen eine von der deutschen Studentenschaft verfaßte Erklärung “Wider den undeutschen Geist” Stellung und äußerte die Hoffnung, daß dieser Spuk schnell vorbeigehen würde.

Aber er irrte sich: er verlor seine Professur, durfte zunächst noch für seine wissenschaftlichen Arbeiten die Staatsbibliothek benutzen, durfte schließlich aber den Lesesaal nicht mehr betreten und dann auch keine Bücher mehr ausleihen. Er konnte sie nur noch – über siebzigjährig und halb erblindet – am Stehpult einsehen. Den Weg von seiner Wohnung zur Bibliothek musste er zu Fuß zurücklegen – mit Umwegen, da er keine Verkehrsmittel benutzen und den Tiergarten nicht durchqueren durfte. Trotzdem arbeitete er unermüdlich weiter an seinem letzten großen Werk “Die Entstehung der berufsmäßigen Schauspielkunst im Altertum und in der Neuzeit”, das erst 20 Jahre nach seinem Tod erschienen ist.

Archiv

Der Max-Herrmann-Preis ging an

2018 - Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken

Die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken umfasst knapp sechzig Mitglieder, die alle Dokumente, Überlieferungen und Erzählungen zur NS-Geschichte und zur Geschichte des Europäischen Judentums im 20. Jahrhundert sammeln, bewahren und zur Verfügung stellen.

2017 - Klaus Wagenbach

Der Verleger Klaus Wagenbach wird für sein Programm geehrt, das die Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits pflegt und literarische, kunst- sowie kulturwissenschaftliche Entdeckungen und Wiederentdeckungen ermöglicht.

2016 - Wim Wenders

Wim Wenders schuf in seinem Film “Der Himmel über Berlin” ein ebenso schönes wie bleibendes filmisches Denkmal von internationalem Rang für die Staatsbibliothek zu Berlin.

2015 - Feierstunde zum 150. Geburtstag von Max Herrmann

Anlässlich des 150. Geburtstages stand der Namensgeber im Mittelpunkt einer Feierstunde.

2014 – B.H. Breslauer Foundation

Der Antiquar Bernd Hartmut Breslauer (Berlin 1918 – New York 2004) ist Gründer der B.H. Breslauer Foundation, die Bibliotheken beim Erwerb besonderer Werke unterstützt.

2013 – Ingeborg Berggreen-Merkel

Die Ministerialdirektorin a. D. beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, wurde geehrt für ihren Einsatz  zur Schaffung nachhaltiger Strukturen beim Erhalt des schritlichen Kulturguts.

2012 – Micha Ullman

Der israelische Bildhauer Micha Ullmann erhält den Max-Herrmann-Preis für sein Mahnmal “Bibliothek” auf dem Bebelplatz in Berlin.

2011 – Georg Siebeck

Georg Siebeck leitet in vierter Generation den Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck, der stets wissenschaftliche Publikationen auf höchstem Niveau und mit großer Sorgfalt veröffentlicht.

2010 - Inge Jens

Inge Jens zeigt als Editorin und Schriftstellerin, wie Rechercheergebnisse nutzbar gemacht und in elegante und lesbare Texten eingebunden werden.

2009 - Günter de Bruyn

Der Schriftsteller Günter de Bruyn ist ausgebildeter Bibliothekar und ein profunder Nutzer der Staatsbibliothek zu Berlin für seine Arbeiten zur Geschichte Berlins und Brandenburgs sowie für seine Biographie von Jean Paul.

2008 - Karin von Welck

Karin von Welck unterstützte in ihrer Zeit als Generalsekretärin der Kultustiftung der Länder in besonderer Weise Bibliotheken bei Erwerbungen.

2007 - Bernhard Fabian

Bernhard Fabian, Professor für englische Philologie, erhält den Max-Herrmann-Preis 2007 für sein Konzept für die Sammlung Deutscher Drucke bis 1912.

2005 - Ekaterina Genieva

Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, erhält den Max-Herrmann-Preis für ihr Engamgent im deutsch-russischen Dialog.

2003 - Klaus G. Saur

Klaus G. Saur ist einer der großen Wissenschaftsverleger Deutschlands.

2002 - Wolfgang Frühwald

Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Frühwald war von 1992 bis 1997 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

2001 - Paul Raabe

Paul Raabe war langjähriger Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und leitete nach seiner Pensionierung den Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen in Halle.

2000 - Cécilie Lowenthal-Hensel

Cécilie Lowenthal-Hensel ist die Urenkelin der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy und Gründerin der Mendelssohn-Gesellschaft e. V.

Satzung

Max-Herrmann-Preis der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. - Satzung

§ 1

Die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. verleihen mindestens alle zwei Jahre und möglichst am 10. Mai den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich um die Entwicklung und um das Ansehen dieser Bibliothek oder um das Bibliothekswesen besondere Verdienste erworben hat.

Der Name des Preises erinnert an den großen Berliner Literatur- und Theaterwissenschaftler, der 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort am 16. November 1942 verstarb. Der 10. Mai erinnert an die Bücherverbrennung im Jahre 1933 unweit der Preußischen Staatsbibliothek auf dem Opernplatz in Berlin.

Alternativ kann eine Persönlichkeit geehrt werden, die als Schriftsteller*in, Wissenschaftler*in, Verleger*in oder Bibliotheksmitarbeiter*in politische Verfolgung erfährt oder eine Persönlichkeit, die sich für die den Verfolgten des NS-Regimes gewidmete Gedenk- und Erinnerungskultur engagiert.

§ 2

Der Preis besteht aus einer Verleihungsurkunde, welche die Verdienste des oder der Geehrten beschreibt, sowie aus dem Nachdruck eines wertvollen Buches aus den Beständen der
Staatsbibliothek zu Berlin. Der Nachdruck wird in einer Auflage von wenigen, nummerierten Exemplaren hergestellt.

§ 3

Über die Person des Preisträgers entscheidet eine unabhängige Jury. Sie besteht aus fünf Personen: drei Personen werden für drei Jahre von der Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstandes des Vereins gewählt. Der Vorsitzende des Vereins und der Generaldirektor der Staatsbibliothek sind qua Amt Jurymitglieder. Den Juryvorsitz hat der Vorsitzende des Vereins inne. Die Jury entscheidet mit Mehrheit. Mitglieder des Vereins können der Jury schriftlich Vorschläge für die Vergabe des Preises machen.

§ 4

Die Vergabe des Preises soll in einem festlichen Rahmen in der Staatsbibliothek zu Berlin erfolgen. Mitarbeiter der Staatsbibliothek und Mitglieder des Vorstandes der Freunde können den Preis nicht erhalten.

§ 5

Diese Satzung wird von der Mitgliederversammlung beschlossen und kann nur von dieser durch Beschluss geändert werden.